Besser sprechen: Die besten Übungen jetzt im E-Book | We make you talk!

Besser sprechen beim Vortrag

Erfahren in diesem E-Book, wie du sofort besser sprechen kannst, indem du die Raumverhältnisse nutzt, den Körper entspannst und deine Stimme gut aufwärmst. 

1. Stelle dich auf die Raumverhältnisse ein und artikuliere deutlich.

Eine gute Übung hierfür ist die Vorstellung, eine imaginäre Person zu rufen, die sich entweder am weit entfernten Ende des Raumes oder in einem Nebenraum befindet. Man ruft zum Beispiel: „Komm, ganz kurzer, kräftiger Kater!“ und achtet auf den Hall im Raum.

Je größer ein Raum und je höher und glatter seine Wände, umso länger ist die Nachhallzeit der Stimme.

Grundsätzlich gilt, dass in halligen Räumen die Konsonanten [b], [p], [d], [t], [k], [g] kräftiger ausgesprochen werden müssen.

Auch sollten sich die langen Vokale deutlich von den kurzen unterscheiden. Das Wort „arm“ hat beispielsweise ein längeres [a] als das Wort „am“. Achte zudem auf die Vorsilben. „Unmöglich“ klingt wie „umöglich“, wenn die Silbe „un“ nicht deutlich vor dem nachfolgenden „m“ ausgesprochen wird. Um gute Vorträge zu halten, ist eine deutliche Aussprache unerlässlich. Es ist ebenfalls von Vorteil, dental zu sprechen, das heißt, die Laute möglichst weit vorne an den Zähnen zu bilden, damit die Stimme nicht „hinten versackt". Um mit mehr Resonanz zu sprechen, kannst Du auch versuchen, die Lippen während des Sprechens locker etwas nach vorne zu schürzen, so dass sie sich von den Zähnen entfernen. Damit bildest du wie bei einer Trompete ein verlängertes Ansatzrohr für die Stimme. Übertreibe es aber nicht. 

Achtung: Bei Verwendung eines Mikrofons gelten andere Regeln für Konsonanten. Explosivlaute wie P, T, und K sowie Reibelaute werden viel vorsichtiger artikuliert als beim Bühnensprechen, da der freigesetzte Luftstrom die Aufnahme empfindlich stören kann.

2. Löse Verspannungen!

Richte dich von unten nach oben über deinen Fußgewölben auf. Die Füße stehen dabei hüftbreit nebeneinander. Verteile dein Gewicht gleichmäßig auf beide Füße. Pendele vor und zurück und finde die für dich beste Position, in der du dein Gewicht direkt von oben nach unten über die Gelenke in den Boden abgeben kannst. Entspanne die Zehen, lass die Pobacken locker und löse die Bauchdecke. Ziehe nun die Schultern bis zu den Ohren nach oben und lasse sie mit eine Seufzer wieder fallen. Atme dabei durch den Mund ein und aus. Wiederhole die Übung drei Mal.

Drehe den Oberkörper nach links und rechts um die eigene Achse und lass dabei die Arme wie bei einer Puppe hin- und herschlenkern. Komm wieder in die Mitte zurück. Streiche nun mit beiden Händen das Gesicht aus, beginnend bei den Schläfen. Dabei soll der Unterkiefer sanft der Bewegung nach unten folgen, wenn der Handballen über das Jochbein streicht. Lass den Unterkiefer bei geöffnetem Mund ein wenig hängen und seufze ein paarmal durch den Mund ein und aus. Ziehe nun den Kopf, ein, lass die Schultern nach vorne fallen und rolle dich Wirbel für Wirbel nach vorne ab, während du durch den Mund einatmest. Ist der Körper locker vorne übergebeugt, richte dich mit einer langsamen Ausatmung durch den Mund wieder auf, bis du locker aufgerichtet stehst. Vermeide dabei Überstreckung. Wiederhole diese Übung drei mal.

3. Aktiviere dein Zwerchfell

Das Zwerchfell ist unser Hauptatemmuskel. Um es zu aktivieren, sind die folgenden Übungen gut geeignet:

Hebe einen Arm in ca. 20 cm Abstand vor das Gesicht und versuche, einen imaginären Fussel von deinem Arm wegzupusten. Lege dazu die andere Hand auf die Bauchdecke unterhalb deines Bauchnabels. Wenn sich der Bauch während des Pustens nach innen bewegt und sich gleich danach wieder nach außen wölbt, ist die Übung richtig ausgeführt.

Achtung: Vermeide es, für diese Übung aktiv einzuatmen. Komme besser aus der sogenannten „Ruhestellung“ des Atems, und beginne mit einer aktiven Ausatmung. das ist der Punkt nach der Ausatmung, bei der du deinen Atem aus dem Zentrum holst, so dass sich die Bauchdecke nach innen bewegt. Mit dem Lösen der Bauchdecke strömt die Atemluft wieder ein.

Stelle dir vor, du verscheuchst Hühner. Artikuliere die Laute Psch… Psch… Psch… oder Ksch…. Ksch… Ksch, so dass sich die Bauchdecke bei den Lauten nach innen bewegt und zwischen den Lauten wieder löst.

Wichtig: Um besser sprechen zu können, ist es unerlässlich, die Stimme aus der Körpermitte heraus zu führen, d. h. immer auf dem Atemstrom zu sprechen, ohne dabei jedoch Atemdruck gegen die Stimmbänder zu erzeugen. 

4. Wärme deine Stimme auf

Stell dir vor, du würdest eine köstliche Speise kauen. Mache dazu große Kaubewegungen mit locker geschlossenen Lippen und summe währenddessen ein leises: „Hmm...Hmm….Hmm…“ Atme zwischendurch immer wieder durch die Nase ein. Stell dir vor, du würdest den Ton sanft kauen. Das Ziel ist eine große, aber weiche Kieferbewegung, bei der sich der Unterkiefer lösen kann. Spüre die Vibrationen auf den Lippen und im Mund- und Rachenraum. Gleite nun mit der Stimme von oben nach unten und umgekehrt, soweit es dir angenehm ist. Versuche dann, den Ton etwas lauter werden zu lassen, indem du den Atemstrom sanft aus deiner Mitte heraus ansteigen lässt.

Sprich nun ohne Kaubewegung zunächst langsam die Silbe „Mnjom“ mehrmals hintereinander in einer für dich angenehmen Stimmlage. Dabei sollen sich die Lippen für das „O“ weich nach vorne runden. Prüfe im Spiegel, ob du ein schönes „O“ mit den Lippen bildest. Setze dann die Stimme so weit oben an, wie es für dich angenehm ist, und lass sie die weiteren „Mnjoms“ sanft in deine tiefste Stimmlage fallen. Wiederhole die Übung ein paar mal.

Seufze aus deiner Körpermitte heraus: „Hojojojoj…Hojojojojoi…“, während du dir sanft mit den Fingerspitzen den Brustkorb abklopfst. Kannst du die Vibrationen deiner Stimme in Brustkorb, Mundraum oder sogar im Kopf spüren? Prima. Stelle dir nun vor, wie sich deine Stimme immer weiter in den Raum hinein ausbreitet, bis sie auch die Zuhörer der letzten Reihe erreicht.

5. Sei präsent

In der japanischen Philosophie heißt es: „Das Selbst erwacht im Augenblick.“ Das bedeutet, Präsenz hat etwas mit der Zeitform des Präsens, mit der Gegenwart zu tun. Bist du im Hier und Jetzt, während du sprichst? Oder sind deine Gedanken bereits in der Zukunft, weil du dir Sorgen machst, wie die Anderen dich bewerten? Gegen diese Sorge hilft ein Gedanke, den mir einmal ein sehr erfolgreicher Speaker verraten hat. Er sagt sich vor jedem Auftritt:  „Ich werde nicht bewertet. Ich werde gehört.“

Falls dich die Vorstellung stört, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, stell dir einfach vor, dass du selbst einen Scheinwerfer an deinem Brustbein hast, der ins Publikum hineinstrahlt. Knipse ihn an und leuchte, wenn du die Bühne betreten hast, einmal von links nach rechts und wieder zurück in den Zuschauerraum hinein. Hast du alle Zuhörer mit deinem Lichtstrahl erreicht? Nun sollte dir die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer sicher sein.

TIPP: Wenn du das Podium betreten hast, nimm dir einen Augenblick Zeit, bevor du zu sprechen beginnst. Knipse deinen Scheinwerfer an und entspannte deine Zehen, Bauch und Po. Du signalisierst dem Publikum damit, dass du ruhig und konzentriert bist. Gönne dir während des Sprechens auch genug Atempausen. Bedenke, dass dein Zeitempfinden bei Aufregung ein anderes ist als in Ruhemomenten. Dadurch werden dir deine Pausen vielleicht sehr lang vorkommen. Mache sie trotzdem. So hat dein Publikum Zeit, das Gehörte zu verarbeiten.

6. Auf der Bühne

 

Wende deinem Publikum möglichst nie de Rücken zu.

Finde sofort Blickkontakt mit einer Person, die so weit wie möglich weg von dir sitzt, und halte ihn für die Dauer eines Gedankens. Wende dich dann einer anderen Person zu. Damit erzeugst du nicht nur Nähe, du erreichst auch Konkretheit in deinem Sprechen. Sprich immer konkret jemanden an und nicht über dein Publikum hin. Beziehe immer die letzte Reihe mit ein, so stellst du sicher, dass du auch ganz hinten gehört wirst.

Versuche nicht, irgendeinen Punkt an der Wand zu fixieren und schaue nicht über dein Publikum hinweg. Versuche nicht, das Publikum „als Ganzes“ in den Blick zu bekommen.

Gehe sparsam mit Phrasen und Füllwörter wie „ähm“, „sozusagen“ oder „nicht wahr“ um. Sprich aber auch nicht „wie gedruckt”, sondern erlaube deinem Publikum ruhig, dir beim Denken zuzusehen.

Stelle dir ein großes Glas Wasser bereit und nutze die Zeit, während ein Film oder eine Audio-Aufnahme läuft, um zu trinken. Markiere dir deine Trink- und Atempausen auch auf den Folien, die du als Gedankenstütze in der Hand hältst.